Letzten Sonntag hat meine Schwägerin ihre Tochter geboren, gestern durften wir die neue Erdenbürgerin kennen lernen. 

 

Grund genug, ein paar Gedanken rund um das Thema "Wochenbett" festzuhalten. 

 

Mein eigenes Wochenbett habe ich nicht in besonders guter Erinnerung und der Gedanke daran stimmt mich meist sehr traurig. - Zuerst das Nicht zur Ruhe kommen im hektischen und überfüllten Krankenhaus und Stillprobleme, zu Hause steter Besuch, der mich gestresst und die Zeit nicht genießen hat lassen. - Aus Erfahrung lernt man - ich weiß, bei einem zweiten Tragling wird unser Wochenbett ganz anders aussehen. 

 

Was ist denn nun dieses "Wochenbett"? 

Vom Wochenbett spricht man ab dem Zeitpunkt der Geburt der Plazenta und es wird in das Früh- (bis 10 Tage nach der Geburt) und das Spätwochenbett (bis 8 Wochen nach der Geburt) unterteilt. 

Heute wird das Wochenbett gerne unterschätzt und als nicht so wichtig erachtet, dabei finden wichtige und zentrale Prozesse statt und es ist eine extrem intime Zeit. 

Das Wochenbett ist eine große Zeit des Kennenlernens, Ankommens und der Umstellung. Körperlich findet bei der Frau, oder im Fachjargon der Wöchnerin, die Rückbildung statt, eventuelle Geburtsverletzungen heilen, Geburtserlebnisse können verarbeitet werden. 

 

Nützliches für frisch gebackene Eltern

Es lohnt sich, Vorräte anzulegen. Sei es vorgekochtes Essen im Tiefkühler, die Lieblingsschokolade oder auch Klopapier und Dinge des täglichen Bedarfs - alles, woran im Wochenbett nicht gedacht werden muss, ist ein Segen. 

Auch Behördenwege können zum Teil schon vor der Geburt erledigt werden und ersparen dann die Lauferei.

 

Eine Hebamme, die man idealerweise schon während der Schwangerschaft kennen gelernt hat und die nach der Geburt die Familie noch weiter betreut, ist ein wahres Goldstück. Sie kann alle Fragen rund um das Wochenbett und Rückbildung kompetent beantworten und ist eine große Stütze und Mutzusprecherin.

 

Eltern brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn sie für einige Zeit die Intimität ihrer neuen Familien ganz für sich genießen und keinen Besuch empfangen wollen. 

 

Toll ist es, im Umfeld Menschen zu haben, die Unterstützung bieten, in dem sie genau das geben, was die neue Familie gerade für sich braucht. Das kann eine Essenslieferung sein, ein Spielplatzbesuch mit dem großen Geschwisterkind, ein Kuchen, aufmunternde Worte, eine Putzhilfe oder auch einfach nur Ruhe für die Familie. 

 

Wichtig bei Besuch für die Familie ist, dass sich vor allem die Wöchnerin in Anwesenheit der Personen wohl fühlt und entspannen kann.

Verursacht der Besuch oder die vermeintliche Unterstützung eher inneren Druck, darf der Besuch auch auf später verschoben werden oder nach einer anderen Lösung zur Unterstützung gesucht werden. 

Kann ein Besuch nicht auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, empfiehlt es sich, diesen vor dem Milcheinschuss zu empfangen, andernfalls ist ein Milchstau fast vorprogrammiert. 

Wichtig ist, auf die innere Stimme und die Bedürfnisse des Babys zu achten, dann läuft das Wochenbett (und generell die Zeit mit Kind und Familie) meist ziemlich problemlos ab. 

 

Wenn in der Familie schon Geschwisterkinder leben

Erinnerst du dich noch an die Geburt deines ersten Kindes? 

Alles war neu, ungewohnt, teilweise mit Unsicherheiten beladen, du musstest erst in dieses neue Leben mit dem/der neueN ErdenbürgerIn hineinwachsen. 

Genauso geht es auch einem Geschwisterkind nach der Ankunft des Babys - es ist SEIN erstes Baby. 

Kinder können sehr gut auf die bevorstehende Geburt und das neue Familienmitglied vorbereitet werden, dennoch ist das Leben mit Baby etwas, das Kinder nicht genau abschätzen können. 

Wichtig ist, das große Kind weiterhin zu sehen und Verständnis zu haben, dass vielleicht nicht immer alles so glatt läuft. Nach einiger Zeit spielt sich das neue Leben ein, auch für ein Geschwisterkind. 
Hilfreich dabei sind exklusiv Zeit mit Mama und/oder Papa, Verständnis und das Miteinbeziehen in den Alltag, indem beispielsweise altersgerechte Aufgaben übertragen werden (Hilfe beim Wickeln, Anziehen, Baden, Baby bewachen, etc.), dann fällt das Gefühl, außen vor zu sein, weg. 

"Schicken Sie es auf keinen Fall weg. Sonst wird es sich zurückgesetzt fühlen. Achten Sie vielmehr unbedingt darauf, möglichst viel Alltag mit Ihrem großen Kind zu teilen. Oft ist es für Geschwisterkinder beruhigender und die Verlustängste beseitigender, die >normalen< Aktivitäten zu begleiten, als plötzlich lauter besondere Unternehmungen präsentiert zu bekommen." Stern; Loretta, Gaca; Anja Constance: Das Wochenbett; Kösel, München, 2016; S. 128

 

 

Der/die gern gesehene Wochenbett-BesucherIn

Ein "guter" Wochenbettbesucher hat Verständnis dafür, dass es möglicherweise noch Zeit braucht, bis Besuch willkommen ist und auch dafür, dass sich der Besuch kurzfristig verschiebt, weil an diesem Tag kein guter Tag, oder ein müder Tag für alle in der Familie ist. 

Gern gesehen ist bekömmliches, kraftspendendes Essen, vielleicht eine stärkende Brühe, Kräuterblutsaft und Stillkugeln. 

Auch für den Papa darf gerne eine Kleinigkeit im Korb liegen- schließlich hat er (hoffentlich) seine Partnerin während der Geburt und nun auch im Wochenbett bestens unterstützt und seine Energiereserven dürfen auch aufgetankt werden. 

Ist schon ein größeres Geschwisterkind in der Familie freut sich dieses über viel Aufmerksamkeit und vielleicht ein kleines Geschenk - gerade für Kinder ist es eine herausfordernde Zeit, ein Baby in ihrem Leben zu begrüßen. 

 

Herrlich ist es, wenn der Satz "Ich/Wir wollten nur schauen, wie es euch geht", aufrichtig gemeint ist, nicht sofort nach dem Baby gegrapscht wird (Händchen, Füßchen und Gesicht lassen sich auch sehr gut neben Mama/Papa sitzend betrachten) und Fragen zur Geburt nicht gestellt werden, die Familie entscheidet gerne selbst, wem, wann und was sie über dieses intime Erlebnis mit anderen teilen möchte. 

 

Wunderbar ist es, Mut und aufmunternde Worte zugesprochen zu bekommen, auch ehrliches Interesse am Handeln und Entscheidungen sind Immer herzlich willkommen, gerade, wenn Familien sich entscheiden, in gewissen Belangen einen anderen Weg zu gehen (aufrichtiges Interesse daran ist auch in späterer Zeit immer schön und willkommen). 

Nicht passend sind (ungefragte) Ratschläge, Äußerungen à la "Du/ihr müsst…" , "Das Baby muss/braucht..", "Wir haben das auch (nicht) so gemacht… (und es hat nicht geschadet).."), "Aber…" das stellt einen Übertritt in die Privatsphäre der Familie dar. Im besten Fall ist es ärgerlich, im schlimmsten Fall führt es zu  (unnötiger) Verunsicherung. - Egal wie gut gemeint diese Ratschläge auch sein wollen. 

Der ideale Wochenbettbesucher weiß auch, wann es wieder Zeit ist, zu gehen. 

 

Mein abschließender Rat an alle (frisch gebackenen) Eltern - genießt diese wundervolle Zeit des Kennenlernens und denkt daran - auch wenn es sich (gerade am Anfang) nicht immer so anfühlt: Die Experten für euer Baby/Kind seid immer ihr selbst!

 

Carry on!

Euer Elf im Beutel